




Es ist Montagmorgen, im Spätsommer. Du warst zwei Wochen im Urlaub, Flitterwochen, das war super und wirklich schön. Leider war der Schluss der Flitterwochen nicht so toll - deine schwangere Frau hat sich verletzt und liegt im Krankenhaus. Es ist nicht lebensbedrohlich, aber erstes Kind, schwanger. Du bist unsicher. Heute ist dein erster Tag zurück in deinem Vollzeitmandat, indem du schon acht Monate gebucht bist.
Du möchtest eigentlich eher low machen, schließlich willst du zu deiner Frau in Krankenhaus heute Nachmittag.
Dein Projektleiter (oder Chef, oder Auftraggeber, you name it) meldet sich vormittags telefonisch, es geht um irgendeine dringende Abstimmung heute. Ihr arbeitet schon eine ganze Weile zusammen, und willst auch kurz von deiner Frau erzählen - aber er hat nicht viel Zeit und fragt, ob ihr euch so gegen 17:00 Uhr noch kurz treffen könnten. Zähneknirschend sagst du zu, da wolltest du ja eigentlich schon auf dem Weg zu deiner Frau sein.
Der Tag will nicht vergehen, aber es ist auch nicht viel liegengeblieben, die haben das ganz gut aufgefangen in den zwei Wochen, denkst du dir. Du bekommst noch Gratulationen und Schulterklopfer von allen möglichen Leuten und freust dich.
Dann ist 17:00 Uhr - natürlich kommt er zu spät. Du merkst sofort, dass da was nicht stimmt. Du merkst sofort, dass es vorbei ist. Er druckst rum und lässt schließlich die Katze aus dem Sack. Ob du zum Ende dieser Woche das Unternehmen bitte verlassen könntest. Du fragst, warum - dir will kein Grund einfallen, dir ist kein Fehler bewusst. Im Endeffekt stellt sich raus, dass es politisch ist, und du jemanden zu oft auf den sprichwörtlichen Schlips getreten bist. Du merkst, dass es keinen Sinn macht, zu diskutieren. Dir wird versichert, dass es nicht an deinen Leistungen lag, und dass du doch am Ende der Woche eine Abschiedsparty für alle geben sollst. Damit niemand mitbekommt, dass du aus ganz anderen Gründen gehen sollst.
Die offizielle Begründung wird sein: Du willst dich in Elternzeit verabschieden.